Aber bitte mit extra gereiftem Käse - Holarse wagt einen zweiten Blick für euch auf Pizza Connection 3

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Es war einmal ... ist nicht nur eine Überschrift innerhalb unseres Wochenendrückblicks sondern auch ein schönes Intro für einen Artikel, der einen erneuten Blick auf ein Spiel wirft, welches damals eher gemischte Gefühle in unserem Test ausgelöst hat. Es geht um Pizza Connection 3, 2018 veröffentlicht und bis heute auf Spieleplattformen mit gemischten Bewertungen versehen. Auch hier auf Holarse wich der Jubel einer gewissen Ernüchterung. Doch wie schlägt sich die einst umstrittene Wirtschaftssimulation rund um ein Pizza-Imperium im Jahre 2025? Zeit den digitalen Staub abzuklopfen.

Kurze Geschichtsstunde

Für die Menschen von hinterm Mond und solche die unter Steinen hausen, "Pizza Connection" ist eine nicht ganz ernst zu nehmende, tycoon-ähnliche Reihe von Wirtschaftsimulationen welche 1994 mit Pizza Connection begann, 1999 mit Pizza Syndicate eine überzeichnetes Geschwisterchen erhielt, mit Pizza Connection 2 offiziell 2001 fortgesetzt wurde und schließlich und bislang mit Pizza Connection 3 von 2018 gipfelte.
Der Kern? Pizzen kreieren, Restaurants betreiben, Personal verwalten und die Konkurrenz ausbooten, wenn es sein muss auch mit unlauteren Mitteln. Während die drei erstgenannten Spiele von Software 2000 veröffentlicht wurden, war dies wegen fortgeschrittener Nicht-Existenz des Entwicklers nicht mehr möglich, weshalb Assemble Entertainment die Rechte dafür erwarb und schlussendlich Pizza Connection 3, u.a. auf Steam veröffentlichte (Link).

Vergangen aber nicht vergessen

Während "Aenigma" hier auf Holarse im April 2018 noch gänzlich unvoreingenommen und ohne Kenntnisse der anderen Titel der Reihe daherkam, sitzt mit mir, meldrian, ein ehemaliger Spieler von Pizza Syndicate und Pizza Connection 2 vor der Tastatur, also jemand der potenziell zur Fanbase gehört, die 2018 so furchtbar enttäuscht vom lange erwarteten Nachfolger schien. Im Mai 2017 verbreitete ich sogar euphorisch hier auf Holarse die Ankündigung zum 3. Teil. Ob ich mich von den negativen Rezensionen anderer habe abschrecken lassen weiß ich nicht mehr genau. Auf negative Art und Weise hat es das Spiel sogar in unseren Weihnachtsgruß 2018 geschafft.
Fakt ist, erst Jahre später, mit einer kostenlosen GiveAway-Aktion auf GOG, wanderte das Spiel in meine Bibliothek und damit auf den "Pile of Shame". Final kam es 2025 dazu, dass ich ausreichend Motivation und Langeweile fand dem Titel eine Chance zu geben. Nicht ohne überrascht zu sein, so viel sei vorab verraten.

Eine Runde Pizza ... Connection 3

Gespielt wird auf einem Desktop-PC (Tuxedo Cube) mit Intel Core i7-12700T, AMD Radeon RX 6600 (8GB), 32GB Arbeitsspeicher und dem aktuellsten Release von Tuxedo OS.
Also Installer.sh von GOG (Version 1.0.7583.17868 wie es scheint) geladen, durchlaufen lassen, Desktopsymbol geklickt und das Spiel startete klaglos. Schon Mal ein gutes Zeichen. Ohne großes Nachdenken ging der Klick im Hauptmenü auf "Neues Spiel", womit ich mir selbst die Möglichkeit nahm die Kampagne mit einem selbst erstellen Charakter zu bestreiten. Fortan war ich also die Nichte von irgendwem und wurde auch durchgängig so betitelt. Ein stiller, stechender Schmerz für meine fragile Männlichkeit. Dies ausgeklammert verlief der Spielstart aber recht angenehm. Verschiedene, laut vorgelesene Briefe geleiten mich durch die Kampagne und die ersten Missionsziele, wenn nicht sogar der ganze Verlauf der eigentlichen Kampagne, dürfen als interaktives Tutorial angesehen werden. Auf diesem Wege tourt man international durch Großstädte, eröffnet neue Filialen, erledigt Missionsziele, stellt sich auf den jeweiligen Landesgeschmack ein und ja, verkauft die ein oder andere Pizza. So weit, so unspektakulär. Aber eben auch nicht schlecht! Die erste Spielsession war, wie so häufig, nur ein kleines Reinschnuppern, ein "mal schauen", jederzeit Bereit ALT+F4 zu drücken und irgendwas anderes zu machen. Doch das passierte nicht. Der Wunsch kuriose Pizzen zu kreieren die, noch viel kurioser, den "Bonzen" oder den "Gruftis" trotzdem schmecken, war geboren. Pizza Connection 3 hatte mich.

Von gelben krummen Tropenfrüchten

"Bananensoftware" hieß es damals, "reift beim Kunden". So trug eine der Überschriften von Aenigma damals den Titel "Performance, Grafik und bugs, bugs, bugs". Mittlerweile scheint das Spielvergnügen weniger getrübt zu sein. Abstürze gab es keine und Bugs, 2 an der Zahl, ließen sich entgegen jeder Erwartung durch Abspeichern und Laden beheben. Kein Witz. In einer Mission hieß es "erforsche dies, das, Annanas" aber die Option dafür war ausgegraut. Speichern. Laden. Option ist nicht mehr ausgegraut. Kurios. 2-3 Städte später hieß es an anderer Stelle "Verkaufe x Pizzen" aber der Zähler zählte nicht. Hm. Speichern, laden, der Zähler beginnt zu zählen. Wären doch bloß alle Absurditäten in modernen Computerspielen so einfach zu beheben. Darüber hinaus? Keine gravierenden Fehler feststellbar. Auffällig sind kurzfristige aber dafür deutlich wahrnehmbare Ruckler und das auf dem 12 Kerner von Tuxedo Computers (Link) in Verbindung mit einer AMD Radeon RX 6600. Bei einer Software von 2018 wird es schwierig hier die Hardware von 2022/23 als Schuldigen auszumachen. Es fehlt schlicht an softwareseitiger Optimierung wie es scheint.

Teil 3 in Konkurrenz zu den Vorgängern

Als Optimist der ich nun mal bin beleuchte ich eben fix die Dinge die mir gut gefallen am 3. Teil. Warum ist schnell erklärt, so wirklich 'schlecht' finde ich schlicht nichts. Spieler kritisieren fehlende Features im Vergleich zum Vorgänger aber egal wie sehr ich es versuche, ich möchte mich einfach nicht daran stören.

  • Der 3. Teil besitzt (und beginnt sogar) mit einem Pizzakarren. Keine eigene Filiale, sondern ein kleines Pizzataxi, wie man sie von Volksfesten und Veranstaltungen kennt. die Lagerkapazität von dem Ding ist winzig doch seine Stärke liegt darin, dass man sich näher an gut besuchte Gebäude platzieren kann damit. Schnell noch die gesamte Uni vor der Vorlesung ins Fresskoma schicken? Kein Problem.
  • Weiter gefällt mir die Werbetechnik "Maskottchen" unheimlich gut. Eine unterbezahlte Fachkraft für dämliche Kostüme wird quer durch die Stadt geschickt und lädt potenzielle Kunden von sonst wo dazu ein eine bestimmte Filiale zu besuchen.
  • Die Kampagne führt einen durch verschiedene Städte, wie erwähnt, aber später auch wieder dort hin zurück. Nix mit fire and forget. So wird man als erstmaliger Spieler im Late Game mit den naturgegebenen Fehlern konfrontiert, die man anfangs unerfahren gemacht und beinahe schon wieder vergessen hat. Das eigene Gemurkse von früher zu optimieren nehme ich persönlich durchaus positiv wahr.
  • Das Personal ist kein seelenloser Haufen von Arbeitssklaven sondern besitzt Fähigkeiten, Geschwindigkeiten und Motivation. Die ersten beiden Werte lassen sich durch Schulungen verbessern, der Letztere sinkt wenn das Personal überfordert ist. Wann immer die Filiale überlaufen wirkt und Gäste frustriert den Gastraum verlassen, kränkt das scheinbar das Ehrgefühl der derzeit aktiven Schicht und die Motivation purzelt. Das lässt Spieler planen und legt vor allem fest, ein voller Speisesaal bedeutet nicht zwangsweise einen reibungslosen Ablauf.
  • Der Einzugbereich von Filialen lässt sich nicht bis zur Unendlichkeit mit Werbemaßnahmen über die ganze Karte erstrecken. Ja, es gibt einen Buff für etwas Vergrößerung aber das war es dann auch. Für alles weitere Bedarf es Werbemaßnahmen um die Leute fernab der heiligen Hallen auf den 'Geschmack' zu bringen.
  • Patrouillierende Polizisten erschweren die Sabotage des Konkurrenten, der Konkurrent jedoch ist genau so davon betroffen. Und so landet der ein oder andere geplante Angriff auf eine meiner Filialen in den Armen einer umherstreichenden Streife. Danke dafür liebe Jungs in blau.
  • So ein Pizzaboden muss nicht immer rund sein. Mit ein bisschen Geziehe und Gezerre kann man dem Spiel sogar quasi 2 kleine Pizzen als eine unterjubeln. Oder so ein Halbmond als Pizza, auch hübsch. Ist nur eine Kleinigkeit, macht aber Spaß.

Geschmäcker sind verschieden

Ist Pizza Connection 3 jetzt DAS Spiel das jeder mindestens einmal in seinem Leben gespielt haben muss und von dem man später seinen Enkeln erzählt? Ein klares Nein. Mittlerweile scheint die teils alberne Wirtschaftssimulation ihren Kinderkrankheiten aber so weit entwachsen zu sein, dass man darin getrost einige Spielstunden Spaß unterbringen kann (sofern man sich denn für das Thema an sich erwärmt). Aktuell kostet das Spiel 20 Euronen doch wie wir alle wissen ist der nächste Sale nicht weit.
Danke dass ich euch mit meinem Eindruck des Spiels für einige Minuten unterhalten durfte. Falls ihr Lust und Laune habt, teilt mir und der Welt gerne hier mit was euer Eindruck von dem Spiel ist, was ihr erwartet habt und was eurer Meinung in Teil 4 zwingend verbessert werden muss.
Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss wieder zurück in die Backstube, Zucchini und Eier unzerkleinert und moralisch unangemessen auf einen Pizzaboden drapieren und mich darüber scheckig lachen, dass diese Kombination bei einigen Zielgruppen sogar Anklang findet.

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